Was gibt es heute? Episkopales – oder: Das Brückengericht

Was gibt es heute? Episkopales – oder: Das Brückengericht Nicht ein Papst wird gewählt, sondern einer neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, der im Vergleich zum Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche nur wenig zu sagen, aber nach Rom etwas auszurichten hat. So laufen die Wetten, Vermutungen und Rechnereien auf Hochtouren. Die neueste Ausgabe des „Eule-Magazins“ beteiligt sich daran und kommt nach Nennung einiger Kriterien (Alter, Image-Schaden, Sprachfähigkeit, Rom-Neigung) zu folgendem Schluss: Es verblieben „im ‚Kandidatenkreis‘

1. Erzbischof Herwig Gössl (Bamberg),
2. Bischof Franz Jung (Würzburg),
3. Erzbischof Stefan Burger (Freiburg),
4. Bischof Peter Kohlgraf (Mainz),
5. Bischof Heiner Wilmer (Hildesheim),
6. Bischof Franz-Josef Overbeck (Essen),
7. Bischof Bertram Meier (Augsburg) und
8. Erzbischof Udo Bentz (Paderborn).“

Sie sind alle in den 1960er Jahren geboren, die meisten Jahrgang 1967. Tatsächlich sind von den insgesamt 27 Bischofstühlen derzeit 2 vakant (Münster und Eichstätt). 5 Bischöfe gelten der Eule als nicht mehrheitsfähig, da zu konservativ (Voderholzer [*1959], Oster [*1965], Woelki [*1956]) oder durch den Missbrauchsskandal angezählt (Heße [*1966], Ackermann [*1963)]. 2 Bischöfe (Bätzing, Marx) waren schon Vorsitzende, machen es nicht wieder. Letztgenannter – Jahrgang 1953 – gilt auch als zu alt wie 6 weitere Bischöfe (Feige [*1951], Timmerevers [*1952], Ipolt [*1954], Koch [*1954], Neymeyr [*1957], Dominikus Meier [*1959]). Was aber ist mit den 4 anderen – jüngeren – Bischöfen: Karl-Heinz Wiesemann [*1960]) von Speyer, Helmut Dieser [*1962] von Aachen, Klaus Krämer [*1964] von Rottenburg-Stuttgart, die ebenfalls in den 1960er Jahren geboren sind, ja sogar erst am 15. Januar 1970 (Michael Gerber), der Bischof von Fulda? Auch sie könnten gewählt werden, ohne in ihrer dann 6-jährigen Amtszeit als Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz das 75. Lebensjahr zu überschreiten. Mein Tipp: Es könnte der 2024 geweihte Bischof Krämer werden, der sich als ehemaliger Präsident von „missio“ und Autor einschlägiger Publikationen bereits weltkirchlich auszeichnete. Auch ähnelt er im Habitus dem neuen Papst. Und außerdem: Er steht einem Bistum vor, das schon lange in einzigartiger Weise Synodalität praktiziert, im sog. „Rottenburger Modell“. Krämers Vorgänger, der verstorbene Bischof Georg Moser, der spätere Kardinal Walter Kasper und der emeritierte Bischof Gebhard Fürst, hielten wie er heute konsequent an diesem weitgehend unbekannten synodalen Muster fest. Es hat sich innerkirchlich seit über 50 Jahren weitgehend bewährt und ist kirchenrechtlich anerkannt. Es könnte eine Brücke sein zwischen Rom und dem katholischen Deutschland. Und Bischof Klaus Krämer eine Brückenfigur. Michael N. Ebertz